08.04.2009


Die Videoüberwachung hält in Kirchen Einzug

Die Schäden durch Vandalismus an der Pfarrkirche St. Jakobus in Jüchen bei Grevenbroich sind deutlich zurückgegangen, seit dort Überwachungskameras laufen, meldet RP online. Auf dem Jüchener Markt haben Polizeistreifen die Lage beruhigt. Ulrich Clancett ist rundum zufrieden. Seitdem es die Überwachungskameras an den Eingängen der Kirche St. Jakobus gibt, habe der Vandalismus deutlich abgenommen, sagt der Pfarrer. Im August vergangenen Jahres hatte die Pfarre beschlossen, gegen die Verschmutzungen, die Ruhestörungen und Beschädigungen vorzugehen, indem sie ein Überwachungssystem für rund 8.000 Euro installierte. Unter anderem war zuvor die Beleuchtung des Tannenbaums zerstört und ein Feuer im Eingangsbereich gelegt worden.

Auf irdische Sicherheitsmaßnahmen verlässt man sich auch in der schweizerischen Gemeinde Bülach bei Zürich. Satansprüche an den Wänden, zerstörte Gesangsbücher, brennende Kirchenbänke: Immer öfter werden Kirchen von Vandalen heimgesucht, heißt es dazu im Zürcher Tages-Anzeiger. In Bülach wurden nun Videokameras in der Kirche angebracht – seither herrscht Ruhe. In der reformierten Kirche von Bülach hat man schon Getränkedosen in Orgelpfeifen entdeckt, der Abfall wurde im Gotteshaus wild entsorgt, und es gab sogar schon ein kleines Feuer in den Kirchenbänken. Ähnliches geschah auch in der katholischen Kirche von Bülach. Dort wurden Bibeln gestohlen und Altarkreuze zerstört, berichtet das Neue Bülacher Tagblatt.

In der reformierten Kirche hat man die Konsequenzen gezogen: Seit dem 1. Juni 2008 sind Videokameras in den Kirchenraum gerichtet. „Einzelne Vorfälle waren so negativ und belastend, dass sie eine solche Installation notwendig gemacht haben“, erklärt Sigrist Jürg Küng auf Anfrage und betont gleichzeitig, dass es sich dabei nicht um eine Videoüberwachung, sondern um eine Videoaufzeichnung handle. „Die Daten werden nicht laufend angesehen, sondern nur, wenn ein Schaden in der Kirche entstanden ist. Und selbst dann hat nur der Geschäftsleiter der Kirchgemeinde eine Zugangsberechtigung zu den Daten.“

Seit die Videokameras in der Kirche installiert sind, musste allerdings niemand einen Blick auf die Aufzeichnungen werfen, denn seither gab es keine Vandalenakte mehr. „Wir können natürlich nicht mit abschließender Sicherheit sagen, ob ein Zusammenhang zwischen der Installation und dem Ende der Sachbeschädigungen besteht. Eine Kosten-Nutzen-Analyse lässt sich hier nicht anstellen“, so Küng. Sicher ist allerdings, dass sich die Kirchgänger durch die Kameras nicht gestört fühlen. „Wir haben keinerlei Reaktionen erhalten – weder positive noch negative“, betont Küng. „Wir haben die Neuerung im Kirchenblatt publiziert und dachten, dass die Leute das wohl nicht so toll finden würden. Aber bisher gab es keine Reklamationen.“